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Unterstützungsaktion für die
Gedenkstätte Theresienstadt
Auch in Tschechien
hat die Hochwasserkatastrophe im August 2002 große Schäden
angerichtet. Wurde von den Medien über die Flut in Prag
noch berichtet, so blieb die Zerstörung in Terezin, dem
ehemaligen Ghetto und
der heutigen Gedenkstätte Theresienstadt, weitgehend unbeachtet.
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Der Kulturverein Schwarzer Hahn hat in
mehreren Veranstaltungen - meist in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und
Jugendheim Putenhof in Belitz sowie dem Niedersächsischen Verein
zur Förderung von Theresienstadt/Terezin
- über die Geschichte
Theresienstadts informiert.
Zur
Unterstützung
des Wiederaufbaus der Gedenkstätte fanden am 20. 11. 02 im Logensaal der
Hamburger Kammerspiele und am 19. 11. 02 im Ohmschen Haus in Dannenberg
und am 21.11. im Alten Rathaus in Göttingen Solidaritätskonzerte mit
dem Sänger und
Gitarristen Daniel
Kempin
statt.
Alle Personen
und Institutionen werden gebeten, die Spendenaktion zu
unterstützen und zu verbreiten.
Spendenkonto: Niedersächsischer Verein
zur Förderung von Theresienstadt/Teresien
Kto.: 840 65 00 bei Bank für Sozialwirschaft Hannover;
BLZ 251 205 10
Stichwort:
Fluthilfe
Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.
weitere Informationen im Internet:
bei der Berliner
Geschichtswerkstatt
und ein ausführlicher Bericht mit Fotos Theresienstadt
nach der Flut
Informationen zur Geschichte des KZ Theresienstadt
Gedenkstätte von Flut beschädigt (Elbe-Jeetzel
Zeitung vom 15.9.2002)
Putenhof Belitz hilft beim Aufräumen
lr Belitz/Theresienstadt. »Wir bitten euch um Hilfe»,
sagte der Direktor der
Gedenkstätte Theresienstadt Dr. Jan Munk zu Jürgen Winkel und Jens
Fangohr, die in der vorigen Woche im Auftrag der Jugendlichen des
Putenhofes Belitz die Stadt und Gedenkstätte Theresienstadt besuchten,
um sich ein Bild von den durch die Flutkatastrophe angerichteten
Schäden zu machen.
Seit 12 Jahren arbeiten die Bewohner der Einrichtung in den
Sommermonaten auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos
und Gestapogefängnisses, helfen beim Auf- und Abbau von
Ausstellungen oder betreuen deutschsprachige Gruppen. Nun
ist auch ihre jahrelange Arbeit in Theresienstadt zerstört
oder
von Zerstörung bedroht.
In der Nacht zum 16.August wurde die nordböhmische Stadt überflutet,
das
Wasser stand 1,50 m hoch. Mehr als 300 Familien wurden obdachlos, sowohl
ihre Wohnungen als auch Geschäfte, Kindergärten und Schulen wurden zerstört.
In der tiefer gelegenen Kleinen Festung, dem ehemaligen Gestapogefängnis,
richtete die aus der Eger, aus der Elbe und aus der Kanalisation aufsteigende
Flut schreckliche Schäden an. Dort wohnten auch die Jugendlichen des
Putenhofes während ihrer Workcamps in einer kleinen, nun ebenfalls zerstörten
Wohnung. Auch ein Teil der Ausstellungen in den Museen ist Opfer der Flut
geworden. Die Büros, Dokumentationscenter, das Archiv, die Bücherei,
Seminarräume und Werkstätten sind so stark zerstört, dass ein Neuanfang
notwendig ist. Die Gedenkstätte Theresienstadt ist gerade in den vergangenen
Jahren wegen ihrer hervorragenden Arbeit bei der Erforschung der
nationalsozialistischen Gewaltverbrechen und ihrer Ausstellungen weltweit
gewürdigt worden.
»Überall in den Räumen stehen große Warmlüfter, die mit Diesel oder Gas
betrieben, die Mauern austrocknen sollen, von denen man zuvor den Putz entfernt
hat», berichtet Jürgen Winkel. »Das wird Monate dauern. Es ist ein
Wettlauf mit
der Zeit, denn wenn der Frost kommt und noch zuviel Wasser in den Mauern ist,
drohen weitaus größere Schäden.»
Viele der Mitarbeiter der Gedenkstätte sind doppelt betroffen, haben
ihre
Wohnung verloren und arbeiten nun Tag für Tag in der Gedenkstätte
bis zur
Erschöpfung. Die Menschen sind verzweifelt: »Wir wissen, dass die
Menschen in
Sachsen und Brandenburg großes Leid durch die Flut erfahren haben,
aber lasst
uns jetzt nicht allein.»
Der tschechische Staat, der den vielen Flutopfern im Elbetal Hilfe
leisten muss,
hat für die Kulturdenkmäler 3 Mill. Kronen (110000 Euro) zur Verfügung
gestellt.
Die Leitung der Gedenkstätte schätzt den Schaden auf mindestens 60
Mill.
Kronen (2,2 Mill. Euro). Aus eigener Kraft ist man nicht in der Lage, diese
Summe aufzubringen.
Die Jugendlichen des Putenhofes, ihre Eltern und die Mitarbeiter der
Einrichtung
haben gesammelt. Jürgen Winkel übergab einer betroffenen Familie einen
Geldbetrag und Pakete mit Wäsche, Bekleidung und anderen jetzt von
den
Familien dringend benötigten Sachen. Auf Bitten der Gedenkstättenleitung
wird
eine Gruppe von Jugendlichen des Hofes in den Herbstferien nach Theresienstadt
fahren, um dort bei der Beseitigung der Schäden zu helfen. Gebeten
wird auch
um Spenden für die Gedenkstätte . Spenden nimmt der Niedersächsischen
Verein zur Förderung von Theresienstadt/Terezin unter dem Stichwort
Fluthilfe
entgegen, Kontonummer: 8406500, Bank für Sozialwirtschaft Hannover
BLZ 251 205 10.
Theresienstadt ist für die Bewohner des Putenhofes mehr als ein Ort
des
Gedenkens. Durch ihre Arbeit auf dem Gelände der Gedenkstätte, den
Begegnungen mit Zeitzeugen und tschechischen Jugendlichen, ist diese Stadt,
die auf besondere Weise mit der deutschen Geschichte verbunden ist, auch zu
einem Ort der Versöhnung und der Hoffnung geworden.
„Eine Rose für
Theresienstadt“
Jürgen Winkel
Mit diesem Aufruf wandten sich
Jugendliche des Kinder- und Jugendheimes Belitz und die
Trabant & IFA Freunde Salzwedel mit der Bitte um eine
Spende
an die Öffentlichkeit. Sie
hatten sich vorgenommen, den während
der Augustflut des Jahres 2002 zerstörten
Rosenbestand auf dem Nationalfriedhof der Gedenkstätte Theresienstadt/Terezin
in der Tschechischen Republik zu ersetzen, 3000
kleinwüchsige, wetterfeste und dunkelrote Rosen
zu pflanzen , im Gedenken an die hier begrabenen Opfer des ehemaligen
Gestapogefängnisses und Ghettos. Es
waren die Jugendlichen selbst, Freunde, Mitschüler, Lehrer, Eltern , aber auch
Geschäftsleute und Privatpersonen, die bis
Ende März die notwendige Summe von rund
8000 Euro spendeten, damit die Rosen in einem norddeutschen Zuchtbetrieb bestellt werden konnten.
Mit einer erheblichen Summe wurde die Aktion
vom Niedersächsischen Verein zur Förderung von Terezin/Theresienstadt
unterstützt. „Wichtig war uns vor allem,
daß die Aktion bekannt und
von vielen Menschen mitgetragen wurde“, sagt Enrico Lange, der das Plakat mit
dem Aufruf zeichnete. „ Wenn 200 Schüler eine Rose im Wert
von 2,25 Euro spenden, so ist das wichtiger, als wenn eine Person
mit gutem Einkommen 200
Rosen spendet.“
So
hatte die Aktion eine große Breitenwirkung und für die Schüler der Realschule Lüchow,
die vor den Osterferien eine Klassenfahrt nach Prag und damit verbunden, einen
Ausflug nach Theresienstadt, durchführten,
wurde der Besuch der Gedenkstätte zu einem besonderen Erlebnis, zumal sie sich mit Lena Winkel und Enrico Lange sie
in zwei Unterrichtsstunden auf diesen Besuch vorbereiteten.
Am
05.April trafen sich die Teilnehmer der Rosenaktion, die Jugendlichen des
Putenhofes, die Trabant und IFA-Freunde Salzwedel und
Wernigerode in Ahlum am See,
um Einzelheiten der Fahrt nach
Theresienstadt durchzusprechen.
Die Reiseroute wurde durchgesprochen, wer mit wem fährt, welches Werkzeug
mitgenommen werden sollte, welche Reparaturen an welchen Fahrzeugen noch
durchzuführen waren, wann die Rosen vom Zuchtbetrieb in Uetersen ankommen,
wer sie auf unseren Lastwagen umladen, wie sie behandelt werden
und vor allem eingepflanzt werden sollten.
Es
blieb bis zum Schluß spannend, da die Ausfuhrpapiere vom
Zollamt
und die Gesundheitspapiere für die Rosen vom Pflanzenschutzamt
besorgt werden mußten, wir auf eine Bescheinigung der
Gedenkstätte warteten
und immer wieder in Theresienstadt angerufen wurde, ob denn
die wichtigen Vorarbeiten wie das Entfernen der alten Rosensträucher
und die Bereitstellung von guter Muttererde auch
wirklich erfolgen würden.
Vom
17.04. – 22.04.2003, also über Ostern, fuhren
die Teilnehmer der Aktion nach Theresienstadt in die Tschechische Republik,
um die Rosen auf dem Nationalfriedhof zu pflanzen. Schon die Reise
wird in Erinnerung bleiben. Überall erregte die „Karawane“ von
unterschiedlichen Trabant-Typen samt Wohnanhänger die Aufmerksamkeit
der Passanten. Daß unterwegs Kabel ersetzt, eine Lichtmaschine repariert
und auf dem Standstreifen der Autobahn ein ganzer Motor
auswechselt werden mußte, sei nur am Rande erwähnt. So dauerte
die Fahrt der Trabis übers Erzgebirge nach Böhmen 14 Stunden, währenddem
der LKW mit den 3000 Rosen
trotz guter Vorarbeit und dem Besitz aller notwendigen Ausfuhrpapiere
vom tschechischen Zoll
in die Mangel genommen wurde. Am Abend des 17.04. fuhr dann die Kolonne
der Trabants durch das Prager Tor in die Kleine Festung Theresienstadt
ein,
wo sie sich auf einem Nebenhof
um ein großes Zelt herum aufstellen
konnten. Während die Jugendlichen des Putenhofes in ihrer wiederhergestellten
Wohnung schlafen konnten,
in der die Renovierungsarbeiten erst am Vortage beendet worden waren,
richteten sich
die Trabifreunde in ihren Wohnwagen, den sogenannten „Qeks“ ein.
Am späten
Abend versammelten sich die Teilnehmer, Schüler, Hausfrauen, Köche,
Sozialpädagogen,
Fernfahrer, Handwerker und Studenten unter dem Dach des Zeltes und
planten die Durchführung
der Pflanzaktion.
Der vor der Kleinen Festung
gelegene
Nationalfriedhof wurde
am 16.09.1945 mit der Bestattung von
601 Opfern des Gestapogefängnisses in der Kleinen Festung begründet. In
den Folgejahren wurden immer mehr Opfer
des Gestapogefängnisses und des Ghettos aus
anderen Grabstätten hierher überführt. Einzelgräber, auf denen die Namen der
Opfer und das Todesdatum stehen, Massengräber z.B. für die Opfer des
unterirdischen KZs Richard in Litomerice an den Seiten des Friedhofes.
Während des Augusthochwassers wurde der in einer Senke liegende Friedhof vom Wasser der
Elbe mehrere Meter hoch überflutet und die
zwischen den Grabsteinen stehenden Rosen so stark beschädigt, dass eine
Neuanpflanzung notwendig wurde.
Eine Gruppe
Jugendlicher aus Hamburg hatte vor unserem Eintreffen Vorarbeiten geleistet, die
alten Rosen entfernt, Pflanzlöcher gegraben. Ein Lastwagen war dabei,
aus dem benachbarten Cesky Kopiste spezielle Muttererde heranzufahren.
Motiviert
waren alle Teilnehmer, als sie
am Morgen des Freitags auf dem Friedhof standen und die langen Reihen
der Gräber
entlang blickten. Nun war es eine Frage der Organisation, der Arbeitseinteilung.
In einem Hänger wurden die großen Pakete mit den Rosen auf den
Friedhof gefahren, ausgepackt
und damit begonnen, die einzelnen Rosen an den Wurzeln zu beschneiden.
Während einige der
Teilnehmer die beschnittenen Rosen auf den Grabsteinen verteilten,
wurde
die Muttererde mit Schubkarren von den Seiten her zu den Pflanzstellen
zwischen den Grabsteinen gefahren. Hier knieten andere Freiwillige,
die das Pflanzen übernahmen. Sie rutschten von Pflanzstelle zu Pflanzstelle, von
Grabstein zu Grabstein. Mit den Händen gruben wir in der weichen Muttererde
eine Mulde aus, setzten vorsichtig die Rose hinein, ließen die Erde von den
Seiten in das Loch rieseln und drückten sie fest an. Weiter Erde füllte das
Loch, schließlich wurden die Rosen angehäufelt und eine kleine Wasserrinne um
die Anhäufelung herum ins Erdreich gedrückt.
Immer
wieder bei dieser knieenden Arbeit fiel der Blick auf die Namen
der hier bestatteten Menschen. Viele
deutsch klingende Namen. Neben böhmischen
und mährischen Juden wurden ja vor
allem auch reichsdeutsche Juden nach Theresienstadt deportiert, darunter viele
alte Menschen, die schnell Opfer der furchtbaren Lebensbedingungen im Ghetto
wurden: Auffallend die
Todesdaten, die darauf hinweisen, daß viele
der Gefangenen
kurz vor oder nach der Befreiung am 08.Mai 1945
gestorben sind: Opfer der furchtbaren Flecktyphusepidemie.
Natürlich
hatten wir uns vorher sachkundig gemacht, bei Gärtnern nachgefragt,
wie man Rosen behandelt, welche Teile
beschnitten werden, wie tief man die
Rosen einpflanzt, wie man das Fortspülen der Muttererde bei Regen oder beim Gießen
verhindert, wie das mit der Veredelungsstelle ist usw. Dennoch kam es unter den
Teilnehmern gerade an diesem Punkt immer wieder zu Diskussionen. Vielleicht war
das der Grund dafür, daß wir am ersten Tag nur 850
Rosen schafften. Immer
wieder mußten die Arbeiten unterbrochen werden, weil
Besucher aus den
Niederlanden, aus Norwegen, Tschechien und auch aus Deutschland nachfragten,
woher die Teilnehmer denn kämen und warum sie
diese freiwillige Arbeit machten. Diese Fragen mußten auch Journalisten
verschiedener Zeitungen und einem Agenten der tschechischen Nachrichtenagentur
beantwortet werden, die auf den Friedhof kamen und einzelnen Teilnehmer
fotografierten und interviewten.
Bereits
am nächsten Tag standen Berichte
in der Zeitung, wurden wir von den
Menschen in Theresienstadt darauf
angesprochen. Sie hatten im Prager Rundfunk von
der Arbeit der Gruppe gehört.
Am
Samstagmorgen goß es in Strömen, die Arbeitsbedingungen wurden dadurch
ungemein erschwert. Die Nacht in den Wohnwagen war kalt gewesen, aber allen
wurde es warm bei dem Gedanken, daß uns die Hauptarbeit, das Pflanzen von 2150
Rosen noch bevorstand. Jetzt waren wirklich alle 27 Teilnehmer der Aktion
gefordert. Obwohl der starke Regen zwischendurch immer wieder nachließ und zu
einem Nieselregen überging, waren viele der Teilnehmer bald alle klitschenass.
Die Handschuhe verschmierten lösten sich auf, so daß mit bloßen Händen
weitergebuddelt wurde. Die Erde verklumpte, die Hosen verschmierten durch das ständige
Knien vor den Pflanzstellen und hingen anschließend schwer am Körper. Jiri und
Boja Cerveney, die uns während der ganzen Zeit begleiteten, brachten
Regenjacken und heißen Tee vorbei und betrachteten
uns sorgenvoll. Dabei tropfte das Regenwasser ins Gesicht, wurden
Boden und Werkzeug glitschig. Dennoch, oder gerade deswegen, kamen
wir gut voran, ließ
niemand in seinem Arbeitsufer nach, sah sich jeder um, wo Hilfe gebraucht wurde
. Auch ein Hagelschauer führte nicht zu einer Unterbrechung der Arbeit.
Eine Rose nach der anderen wurde so gepflanzt, eine Grabsteinreihe
nach der anderen
fertiggestellt. Am späten Nachmittag waren 70 m³ Muttererde
verteilt. Gegen 18.00 Uhr dann versammelten wir uns an
der kurzen Seite des Friedhofes. Die ganze
Gruppe sah zu, wie Jürgen
W. die letzte Rose pflanzte.
Müde, aber auch zufrieden, saßen wir abends unter dem Zelt an den Wohnwagen
und besprachen die Erlebnisse des Tages. Inzwischen waren
Mitglieder des Trabantclubs Usti nad Labem
auf uns aufmerksam geworden und
besuchten uns, ließen sich von Uwe, den Spitzenmechaniker
des Wernigeröder Clubs fachmännisch
beraten.
Verknitterte
Gesichter am frühen Sonntagmorgen. Die Glieder
schmerzten von der ungewohnt schweren Arbeit des Vortages, die Müdigkeit
wollte nur langsam weichen. An diesem sonnigen Morgen
erledigten wir die restlichen Arbeiten. All die überzähligen Rosen wurden im
Garten der Kleinen Festung oberhalb der alten Seuchenbaracke gepflanzt,
sozusagen als Reserve und für den Fall, dass einzelne Rosen auf dem Friedhof
nicht anwachsen und ersetzt werden müssen. Auf dem Friedhof verteilten wir noch weitere 10 m³
Mutterboden, „häufelten“ die
Rosen an und stampften mit den Fäusten kleine Rinnen, die das Wasser
halten sollen.
Schließlich
wurden die Rosen noch
einmal gewässert.
Jiri holte das Wasser mit seinem
Multi-Car vom Werkstatthof,
füllte
es in zwei 800 – Liter-Tanks. Mit
Eimern wurden dann die fast 300 Grabstellen gegossen. Auch dieser Arbeit war
anstrengend und musste vorsichtig ausgeführt werden, um die Muttererde
nicht fortzuschwemmen.
Nach
dem Duschen und dem Mittagessen, dass wir
am Ostersonntag im frisch renovierten Restaurant der Kleinen
Festung zu uns nahmen, hatten wir endlich Zeit, uns mit der
Geschichte des Gestapogefängnisses und des ehemaligen Ghettos zu beschäftigen.
In kleinen Gruppen
durchwanderten wir die Kleine Festung und die
Stadt, besuchten die Ausstellungen in der Magdeburger Kaserne, den Jüdischen
Friedhof und das Krematorium. Am Abend
trafen wir uns mit alten Freunden in
Terezin und Keplice, frischten Erinnerungen auf und planten
das Work Camp im Sommer.
Beim
gemeinsamen Abendessen dankten die
beiden Initiatoren dieser Aktion, Günter
Probst (IFA-und Trabantfreunde - Salzwedel) und Jürgen Winkel (Putenhof Belitz)
den Teilnehmern für die in
diesem Tagen geleistete Arbeit.
Jeder
Teilnehmer bekam ein T-Shirt mit dem Logo der Aktion „Eine Rose für
Theresienstadt“ überreicht.
Während
Jürgen Winkel und einige Putenhofjugendliche noch einen Tag in Theresienstadt
blieben, rüsteten die „Trabis“
bereits am Dienstagfrüh zum Aufbruch. Da ließ Uwe
seinen Motor aufheulen, dabei die Ohren spitzend, ob nicht irgendeine
Unregelmäßigkjeit zu hören sei, Sebastian prüfte den Ölstand und Günter
die Anhängerkupplung, Delf wurde
gleich das Wort abgeschnitten, als er begann, die Liste der Pannen auf der
Hinfahrt noch einmal aufzuzählen und Holger, unser Volvo fahrender Journalist
von der Salzwedeler Altmarkzeitung, überlegte schon laut, ob er
vor der Trabikolonne oder als deren Schlusslicht fahren sollte.
Zur Abfahrt kamen Jiri Cerveney und als Vertreter des Direktors
der Gedenkstätte der leitende Ingenieur Stenda Krejni. Standa Krejni bedankte sich
im Namen der Mitarbeiter der Gedenkstätte für die geleistete Hilfe, erwähnte,
dass diese Aktion in der tschechischen Öffentlichkeit ein großes Echo gefunden
habe und betonte zum Schluß seiner kurzen Ansprache: „ Ihr könnt
immer wieder kommen.
Hier in Theresienstadt ist immer Platz für Euch.“
Den Besuchern der
Gedenkstätte bot sich ein beeindruckendes Bild, als die Kolonne der Trabis mit
den Wohnwagen über den großen Innenhof durch das Haupttor
hinausfuhr und über
die Allee die Hauptstraße
erreichte.
Die
Rückfahrt verlief ohne die
befürchteten
Pannen und gegen 18.00 Uhr erreichten die Trabis
Salzwedel.
Jürgen,
Lena, Ulrich, Manuel und David verbrachten den
Dienstag noch in Terezin, erkletterten – wie es bei jedem
Terezin-Besuch Tradition ist – den Radobyl bei Litomerice, besuchten
die Familie Kuklova, tranken den
schwarzen Türkischen Kaffee bei
Jiri und Boja Cerveney und ruhten
sich aus. Bereits vor der
Pflanzaktion hatten wir uns mit Helga Weissova-Houskova getroffen, neueste
Informationen ausgetauscht Begegnungen im Sommer
abgesprochen. Am
Mittwochmorgen hatten wir beim Frühstück ein längeres Gespräch mit den
Direktoren der Gedenkstätte Dr. Munk und Dr. Blodeg. Sie informierten uns über
die aktuelle Situation in Gedenkstätte und Stadt.
Noch immer
sind viele Wohnungen in der Stadt noch nicht wieder hergestellt. Ü berall
sieht man Schutt auf den Straßen, Arbeiter, die in den Häusern renovieren.
In der Magdeburger Kaserne sind die Renovierungsarbeiten nahezu abgeschlossen,
ist
der Holzboden im Eingangsbereich gesetzt, der Kassenbereich neu eingerichtet
worden. Restarbeiten werden
in den Büros und in den Räumen des pädagogischen Dienstes durchgeführt. Der Außenputz
ist bis auf eine Höhe von 2 m abgeschlagen, noch immer sitzt die Feuchtigkeit
in den Wänden. Im Ghettomuseum stehen
weitere Arbeiten zur Behebung der Schäden im Erdgeschoss und vor allem
im Kinosaal an. Die Kleine Gebetsstube
in einem Hinterhof
der Stadt muss renoviert
werden, das Columbarium an der Straße nach Bohusovice
mit den Totenhallen und der Aufbewahrungsstätte für die Urnen
ist nach wie vor geschlossen. Eine Wiederherstellung dieser
erst im Herbst
2001 eröffneten Gedenkstätte steht
noch aus, vor allem des immer wieder nachdrückenden Grundwassers wegen. Das
Gebiet um den Jüdischen Friedhof herum zeigt
nach wie vor die Spuren der Flut. Rechterhand
ein immer noch überfluteter Acker mit einer stinkenden Brühe. Schwäne
bauen ihre Nester inmitten des Tümpels. Durch die Flut herangespülter Unrat in
der Parkanlage um den Friedhof herum. Das Krematorium soll nun doch wieder
hergestellt werden. Das Innere gleicht einer großen Baustelle. An den Wänden
Streifen, die die Höhe des Wasserstandes während der Flut kenntlich
machen.
Die
Kosten für
die Wiederherstellung von
Columbarium und Krematorium lassensich aufgrund
der unklaren Statikfrage noch nicht berechnen. Ü
berall
am Stadtrand finden sich
große Löcher,
sind die Wehrgänge eingebrochen, Schäden, die wohl nur durch den Einsatz
großer
finanzieller Mittel zu reparieren sind.
In der
Kleinen Festung haben die Renovierungsarbeiten Fortschritte gemacht.
Gerade
wurde das Fotolabor im Herrenhaus neu eingerichtet, werden die
Flure renoviert. Die Fußböden der Zellen sind noch nicht erneuert worden,
der Vorraum des Kinos hat einen neuen (Beton)-Fußboden erhalten. Im
Erdgeschoss des Museums wird noch gearbeitet, die Ausstellungsräume
im Haupttorbogen sind
noch geschlossen. Der IV. Hof ist für die Besucher nach wie vor gesperrt,
das Zelleninventar wird immer noch in den großen
Armeezelten aufbewahrt.
Im Magazin sind Putz und Fussboden erneuert worden, unsere kleine Wohnung
ist wieder hergestellt, muss allerdings noch eingerichtet und weiter
getrocknet
werden.
Die
Wohnungen der Gedenkstättenmitarbeiter sind
renoviert und neu eingerichtet.
Jiri und Boja wohnen jetzt wieder in ihrer Wohnung am Tor. Sie sind überglücklich
nach diesem Winter im
Wohnwagen, nach der Kälte, den vielen Einschränkungen.
Ü berall
in Stadt und Gedenkstätte sind die Spuren
des Hochwassers zu sehen. es wird Monate, vielleicht Jahre dauern,
bis sämtliche Schäden
behoben sind.
Wir
werden vom 16. – 18.Mai 2003 zur alljährlich auf dem Nationalfriedhof
stattfindenden Tryzna
fahren, uns mit den Freunden von M.E.C.C.A. , den Mitarbeitern der
Gedenkstätte
zum Gedenken an die Opfer des Faschismus in Theresienstadt treffen.
In der Zeit vom 11. Juli
bis zum
03.08.2003 findet
unser diesjähriges Work Camp statt.
Zusammen mit Soldaten des Schiffahrtsmedizinischen Amtes der Bundesmarine
werden wir in den Gräben der
Festung und auf dem Gelände des Jüdischen Friedhofes und im Krematorium
arbeiten. Die Leitung der Gedenkstätte hatte uns gebeten, bei der
Betreuung und Vorbereitung dieser Gruppe zu helfen. Nach einer Diskussion
auf dem Putenhof haben wir diesem Wunsch entsprochen. Erste Kontakte
haben
stattgefunden. Vom 20.-22.Mai
2003 fährt eine Gruppe Jugendliches des Hofes nach Kiel, wo weitere
Gespräche
und ein Ausflug zur Kieler Woche stattfinden werden.
Unsere
Hilfe für Theresienstadt geht
weiter. Die erfolgreiche Aktion „Eine Rose für Theresienstadt“ hat uns nur motiviert. Durch die Initiative von Bernd Wiegand
hat sich die Firma OBI (Deutschland und Tschechien) bereit erklärt, einen großen
Teil der während der Flut vernichteten Werkzeuge und Maschinen zu ersetzen. Am
17.Mai 2003 wird die Sachspende, die durch den Niedersächsischen
Verein zur Förderung von Terezin/Theresienstadt e.V.
möglich geworden ist, im
Beisein von Jürgen Winkel der Gedenkstätte in Terezin
übergeben.
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