LIDICE – ein Dorf in Böhmen
Auf einen vagen
Verdacht hin wurde das im 'Protektorat Böhmen
und Mähren'
gelegene Dorf Lidice bezichtigt, aus den Reihen seiner
Bewohner stammten die Attentäter, die den amtierenden
Reichsprotektor und Chef des Reichssicherheitshauptamtes,
SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, bei
einem Anschlag am 27. 5. 1942 in Prag tödlich
verletzt hatten.
Am Tag der
Beisetzung in Berlin befahl Hitler, die männlichen
Einwohner von Lidice, zumeist Hütten- und Bergarbeiter
im nahen Kladnoer Revier, zu töten, die Frauen
ins KZ zu schaffen und die Kinder, sofern sie nicht
zur Eindeutschung geeignet seien, einer „anderen
Erziehung“ zuzuführen.
Der Auftrag wurde von Angehörigen der Gestapo, des Sicherheitsdienstes
und der Schutzpolizei unter dem Kommando von SS-Offizieren einer Sonderkommission
und des Befehlshabers der Sicherheitspolizei in Prag, Horst Böhme,
ausgeführt.
Die Männer, der jüngste 15, der älteste fast 90 Jahre
alt,
wurden am 10.6.1942 erschossen. Von den
verschleppten Frauen kamen 49 im KZ Ravensbrück um. Das Leben der
107 Kinder endete mit Ausnahme derjenigen, die in
deutschen Familien leben mußten, im Vernichtungslager
Kulmhof/Chelmno im Reichsgau Wartheland; hier wurden vermutlich 88 Kinder
vergast.
Auf Befehl Hitlers wurde das Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Die Häuser
wurden gesprengt, abgerissen, sogar die Toten auf dem Friedhof wurden
ihrer Ruhe beraubt: die Arbeitsmänner des RAD brachen Gräber
und Särge auf, um Schmuck und Goldzähne zu stehlen. Zwei Jahre
planierte der Reichsarbeitsdienst (RAD) das Gelände.
Die Sprengung von Lidice hielten die Nationalsozialisten in einem Film
fest. Daraufhin kam es in vielen Ländern zu Bekundungen von Protest,
von Sieges- und Überlebenswillen. In nord- und südamerikanischen
Staaten erhielten Ortschaften, Plätze und Straßen 1942/43
den Namen „Lidice“. Auf Waffen und Bomben der alliierten
Armeen fand sich der Name der Ortschaft. In Wales drehte Heinrich Hennings
den Film „The Silent Village“, Heinrich Mann schrieb den
Roman „Lidice“, Berthold Brecht das „Lidicelied“ für
den Film „Hangman also die“ („Auch Henker sterben“,
USA 1941; Regie: Fritz Lang).
Das Verbrechen in Lidice war ein
Racheakt der Deutschen. Die Heydrich-Attentäter,
von England aus mit dem Fallschirm abgesetzt und ohne nachweisbare Beziehung
zu Lidice, wurden von der Gestapo in ihrem Versteck in einer Prager Kirche
entdeckt. Drei sterben durch ein Feuergefecht
die weiteren vier erschiessen sich selbst in aussichtsloser Lage in der
Kirche.
Nach der Befreiung errichteten sowjetische Soldaten auf dem Gelände
von Lidice einen Gedenkstein, ferner erinnert ein hochaufragendes Kreuz,
das einen Dornenkranz trägt, an die Opfer.
Später entstand eine Gedenkstätte. Die tschechoslowakische
Regierung beschloß den Aufbau eines „neuen Lidice“.
Dessen Grundsteinlegung erfolgte 1947. Im selben Jahr sagten überlebende
Frauen und Mädchen in Nürnberg in einem der zwölf vor
US-amerikanischen Militärgerichtshöfen geführten Prozesse
als Zeugen aus.
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